Doch das war die Wirklichkeit am 29./30. Mai

Kaum waren wir trotz leichten Staus auf der Autobahn pünktlich angekommen, kam schon die Meldung, dass der Flug sich um eine Stunde verspäten würde und ca. um 14:00 Uhr abfliegen sollte. Unsere Eltern verabschiedeten sich trotzdem schon mal, und so standen wir vor den Check-In-Schaltern und warteten darauf, dass die netten Damen in den blauen Uniformen kommen würden und unser Gepäck einchecken würden. Doch nichts dergleichen geschah, und die Zeit wurde allmählich lang... Irgendwann wurde es höchste Zeit und tatsächlich kam ein Aeroflot-Mitarbeiter, der uns jedoch nicht eincheckte, sondern Essensgutscheine verteilte, damit man den Flughafenaufenthalt bis zum Abflug um 17:00 hungertechnisch überlebte. Da wir davor schon gegessen hatten, verzichteten wir jedoch auf dieses Angebot. Darüber hinaus wurden wir, falls der Flieger SU 122 um 17:00 Uhr gecancelt werden sollte, vorsorglich auf den Flug SU 124 um 23:20 Uhr umgebucht, jedoch mit der Versicherung, dass wir, sollte der Flug doch starten, auf jeden Fall eine Bordkarte bekommen würden. Mittlerweile wurde uns auch gesagt, dass der Flieger einen Materialdefekt hätte und in Terminal I von den Lufthansatechnikern verarztet werden würde.

Kurzerhand gingen wir spazieren. Als wir jedoch um 16:00 Uhr wieder auf eine Informationstafel blickten, war der Abflug um weitere drei Stunden nach hinten, auf 20:00 Uhr verschoben worden. Die nächste Zeit verbrachten wir sitzend vor dem Aeroflot-Informationsschalter, telefonierend und SMS schreibend. Als dann irgendwann gegen 18:45 die Meldung kam, dass das Ersatzteil aus Toulouse den Flieger verpasst hatte, und dass der nächst möglichste Abflugtermin 22:00 Uhr ist, ließen wir uns trotz vollem Magen einen Essensgutschein über 30.- € geben. Nach 45 Minuten sorgfältiger Auswahl des geeigneten Restaurants und Essens bestellten wir uns beide total überteuerte Salate im „Airbräu“ von denen wir trotz übermäßig langsamen Essens nur ¾ (ich) und ½ (Helene) schafften. Dass der Einbau des Ersatzteils den Abflug um eine letzte Stunde verzögerte, war uns dann auch egal, wir flogen mit dem zu 1000% einsatzbereiten Flug um 23:20 Uhr.

Zehn Stunden und 15 Minuten später als geplant.

Der Flug selbst ging, genauso wie die Passkontrolle und das Kofferholen, zügig vonstatten, und dass Helenes Onkel uns ins Inlandsterminal fahren ließ, tat der Stimmung auch gut. Nach einer verschwindend kurzen Wartezeit von ca. 3,5 Stunden checkten wir im Flug SU 607 gen Rostov ein. Beziehungsweise wir versuchten es. Da wir so genannte „eTickets“ hatten, (d.h. man checkt nur mit seinem Ausweis und einem 6-stelligen alphanumerischen Code ein), ging irgendetwas bei der Kommunikation beim Umbuchen zwischen München und der Moskauer Fluglinienverwaltung schief. In deren Datenbank stand nämlich, dass wir den anfangs angepeilten Anschlussflug nicht wahrgenommen hätten, und wie das so ist in der Computerwelt, kann der kleine Beamte nicht spontan dem System verklickern, dass wir umgebucht worden sind, nein, es benötigt vier (!) Mitarbeiterinnen und eine höhere Repräsentantin von Aeroflot gleichzeitig an einem Computer, um uns halb handschriftlich ausgefertigte Tickets auszustellen, die uns dann nach Rostov befördert haben. Solch einen Anblick, bekommt man wahrhaft selten geboten.

Den Rest des Tages haben wir dementsprechend langsam angehen lassen: Nach 80 Minuten Fahrt von Rostow nach Taganrog haben wir erstmal ausgepackt, die Zimmer bezogen, die Infrastruktur im Haus eingerichtet (Herd, warmes Wasser, Internet...). Danach sind wir noch etwas zum Abendessen und Frühstück einkaufen gegangen, haben gegessen und uns ausgeruht. Nach fast 30 Stunden ohne Bett kommt dann doch langsam die Müdigkeit auf.

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