FAZIT: Drei Wochen Taganrog

Jetzt ist einige Zeit vergangen, seit ich angekommen bin, und so habe ich jetzt Zeit ein „Fazit“ zum Praktikum in Russland zu schreiben. Nach der absolut chaotischen Anreise mit zehn Stunden Verspätung und falsch umgebuchten Tickets von Moskau nach Rostov war ich auf alles Kommende gefasst. Weniger stürmisch begann die erste Woche. Ein klar strukturierter Zeitplan (Arbeiten in der Handelskammer – Deutschstunde im Institut – Einkaufen – mit Studenten spazieren gehen – Tagebuch schreiben – schlafen gehen) ließ wenig außerplanmäßige Komplikationen zu, vor allem, weil alles zu Fuß zu erreichen war. Die Übersetzungsarbeit war zwar eine gute Englischübung und zunächst sehr lehrreich, da ich größtenteils Powerpoint-Präsentationen über die Kammer und ihre Geschäftsbeziehungen übersetzt habe, aber mit der Zeit wars immer dasselbe, sodass ich Ende der Woche „arbeitslos“ war. In dieser Hinsicht war das Praktikum an dieser Stelle leider nicht sehr ergiebig. Einblicke in reelle „Arbeitsprozesse“ waren nicht möglich. Glücklicherweise konnte ich ab der Hälfte der zweiten Woche die Zeit in der Universität beim Deutschunterricht verbringen. Am Dienstag der dritten Woche war die Werksbesichtigung bei LEMAKS an der Reihe, in einem Unternehmen, das sowohl Heizkessel als auch Bauziegel anfertigt. Die Fabriken sind nach europäischem Vorbild konstruiert, sodass dem Unternehmen der Titel „Europäischer Standard“ verliehen worden ist. Hier gab es viel zu sehen, und die Mitarbeiterin erzählte viel über die Firmengeschichte und die Arbeitsumstände. Nach der Werkstour konnte ich mir auch einige Präsentationen über z.B die Plasmaschneidetechnologie ansehen. Leider blieb es bei diesem einen Tag in der Fabrik, und danach waren die Betriebspraktika so weit abgeschlossen. Die letzten Tage wurden in und um die Universität verbracht.

Alles in allem war es ein lehrreicher und lohnender Auslandsaufenthalt in der russischen Provinz, die so gar nicht wie das westliche Moskau ist. Die Umstände (Universität, Praktikumsunternehmen, Unterbringung, Betreuung, und sogar das Wetter) waren gut, doch wäre mehr möglich gewesen. Die Industrie und Handelskammer hat zwar Einblicke gewährt, jedoch keine vertieften. Vor allem die Tätigkeiten (meist übersetzen) waren ineffektiv, da mir teilweise nicht mal ein Wörterbuch zur Verfügung stand. Diese kleineren Quärelen machen das Praktikum erst interessant und bieten die echten Einblicke in die Arbeitsweisen ausländischer Unternehmen. In dieser Hinsicht war das arbeiten zwar zunächst ernüchternd, doch im Rückblick ist wüsste ich nun, was bei einem Stellenangebot aus Russland auf mich zukommen könnte. Und das war ja der Sinn vom Praktikum. Daher möchte ich mich bei allen Personen bedanken, die dieses Praktikum ermöglicht haben, insbesondere dem Betreuungsteam Herr Kundmüller und Herr Krainhöfner. Ich lege jedem Scheinerschüler, der einige Mühen nicht scheut, nachdrücklich ans Herz, an einem solchen Praktikum teilzunehmen. Es lohnt sich auf jeden Fall.

Linus Dietz, Juli 2009

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