16. Juni – Besuch bei LEMAKS

Endlich ging es zu LEMAKS! In Begleitung von Ludmila Alekseevna wurden wir, nach einem Empfang von Tonja, von Nadja durch die gesamte Fabrik geführt. Nebenbei erzählte sie uns die gesamte Firmengeschichte: Nach dem Zusammenbruch der Sovietunion handelte Леонид Аркадьевич Матусевич mit allen möglichen Waren, vor allem mit Bauteilen. Da sein kleines Handelsnetzwerk schnell größer wurde, lieh er sich bei einem Freund Geld, um das Unternehmen anzumelden. Seit diesem Datum, dem 23. Juli 1992, welches auch sein Geburtstag ist, existiert die Firma. Als Namen entschied er sich für LeMax, weil es einerseits ein Wortspiel und andererseits die Anfangssilben seines Namens (Leonid) und die seines Ältesten Sohnes sind (Maksim). Der Name repräsentiert also die alte und die neue Generation, das 20. und das 21. Jh. Während am Anfang des Unternehmens mit allerhand gehandelt wurde, verwandelte Матусевич das Unternehmen nach langen Europareisen in ein produzierendes Industrieunternehmen. Er übernahm eine Ziegelbrennerei und erbaute daneben nach europäischem Vorbild eine Fabrik für Heizkessel. Die nötigen Maschinen kommen ebenfalls aus Italien bzw. Deutschland.

Nur so ist es möglich, qualitativ hochwertige Produkte herzustellen, was auch gelingt: Dem Unternehmen ist von der EU die Plakette „Europäischer Standard“ verliehen worden. Die Produktpalette umfasst drei Sorten von Ziegelsteinen und ein Dutzend Heizkessel, Boiler und Heizkörper.

Nach der Führung und dem Mittagsimbiss in der Cafeteria konnten wir uns mit einem jungen Manager unterhalten, der - genauso wie Nadja und Tonja - Absolvent unseres Instituts ist und der uns alles Weitere zum Unternehmen erzählte:

LEMAKS – Der Staat im Staat: LEMAKS verfügt über eine eigene Fahne, ein Wappen, eine Hymne, einige Firmenfeiertage, und sogar eine eigene Währung! Ein LEMA ist 50 Rubel wert und wird an alle Mitarbeiter ausgezahlt, die mit guten Leistungen auf sich aufmerksam machen. Am Ende jeder Woche werden je nach leistung ein bis fünf LEMA auf den Lohn „draufgepackt“. Die Abteilung mit den meisten LEMAS kann im Sommer kostenlos auf die firmeneigene Hütte fahren. Der Mitarbeiter mit den meisten LEMAS bekommt von der Firma Sonderurlaub im Ausland bezahlt. Mögen 5 Lema auch nicht allzu viel Geld sein, so sind die Mitarbeiter nach Aussage des Managers doch motivierter und nehmen diesen Wettstreit als „13. Montatslohn“ ernst.

Die Krise in Russland: Sie ist da. LEMAKS hat aber Glück im Unglück: Obwohl sie die Auswirkungen beim Absatz im Heizkesselwerk spürt, floriert der Markt für die Qualitätsziegel. Da für die Olympischen Spiele in Sochi viele neue Gebäude gebaut werden, läuft das Werk mit beiden Öfen auf Hochtouren. Die Mitarbeiter, für die keine Arbeit mehr im Kesselwerk war, wurden kurzerhand in die Ziegelbrennerei umgesiedelt. Dennoch mussten 20% der Belegschaft entlassen werden. Eine weitere Folge war, dass auf der Toilette ein Schild mit „Spare Energie, mach das Licht aus“ hängt. Obwohl in Russland die Energiespreise immer noch niedrig sind, merkt man überall den Anstieg der Preise.

Nach diesem sehr offenen Gespräch konnten wir noch durch einige Broschüren über die Laser(&plasma)schneidetechnologie blättern. Danach waren wir fertig und fuhren ziemlich erschöpft heim.

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